Was ist Gicht?

Gicht – für viele Menschen ist diese Erkrankung ein wahrer Albtraum. Schmerzen, v. a. in den Gelenken, können jeden Schritt zur Qual werden lassen. Allein in den USA sind etwa 3 Millionen Menschen betroffen. Damit ist Gicht die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung. Als Folge einer Stoffwechselstörung reichert sich Harnsäure im Blut an und kann sich in Form von Harnsäurekristallen in Gelenken, Sehnen, der Haut und anderen Stellen im Körper ablagern. Die Gelenke entzünden sich und verursachen heftige Schmerzen. Doch Gicht ist nicht nur ein ernstzunehmendes Problem für die Gelenke, sondern unbehandelt auch eine potenziell tödliche Gefahr für das Herz-Kreislauf-System.
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Die Erkrankung als solche ist schon seit Jahrhunderten bekannt. In der Vergangenheit war sie geradezu ein Statussymbol des Wohlstandes, mit einer Ernährung, die viel zu viel Fleisch und Alkohol enthielt und kaum Obst oder Gemüse.

Welchen Einfluss hat die Ernährung?

Viele Studien zeigen, dass Gicht von allen rheumatischen Erkrankungen am stärksten vom Lebensstil abhängt. Ein Speiseplan mit vielen tierischen Produkten enthält große Mengen Purine. Diese sind ein wichtiger Baustein der Zellen und bilden das Grundgerüst allen tierischen und pflanzlichen Lebens. Im Körper werden sie zu Harnsäure abgebaut, einem Stoff, der für den Menschen keinen weiteren Nährwert hat. Harnsäure wird dann über die Nieren ausgeschieden. Eine einseitige und ungesunde Ernährung bringt dieses System allerdings schnell an seine Belastungsgrenze.

Lange Zeit hat man sich bei der Behandlung von Gicht einseitig auf die Zufuhr von Purinen konzentriert. Es wurde dazu geraten, Lebensmittel zu meiden oder zumindest einzuschränken, die besonders reich an Purinen sind, z. B. Leber, Innereien, Fleisch, Fisch, Linsen, Erbsen oder Mohn. Allerdings enthalten alle Lebensmittel Purine, deswegen gibt es streng genommen gar keine purinfreie Diät. Bei Gicht sind in erster Linie Purine tierischen Ursprungs in hohem Maße problematisch – pflanzliche Produkte enthalten meist nützliche Substanzen, die die Harnsäureausscheidung verbessern und sind in der Regel weit weniger problematisch.

Die Beschränkung von Purinen in der Ernährung kann eine große Entlastung sein, hat allerdings auch einen großen Nachteil: Der Großteil der Purine wird gar nicht von außen mit der Nahrung zugeführt, sondern im Körper selbst von der Leber produziert. Viele Menschen, die an Gicht erkrankt sind, produzieren zu viel Harnsäure. Eine purinarme Ernährung löst also nur einen Teil des Problems.

Was ist mit Alkohol?

Alkohol stellt einen weiteren Risikofaktor dar – er ist einer der Hauptauslöser von Gichtattacken. Allerdings bergen nicht alle Sorten das gleiche Risiko. Die größte Gefahr geht von Bier aus. Moderate Mengen Wein haben keinen negativen Effekt. Grundsätzlich ist exzessiver Alkoholkonsum aber immer problematisch. Beim Abbau von Alkohol werden im Körper Lactate gebildet, die die Harnsäureausscheidung behindern.

Interessanterweise isst der Mensch seit Jahrhunderten zu viel Fleisch und trinkt zu viel Alkohol, dennoch war Gicht zu Beginn des 19. Jahrhunderts praktisch verschwunden. Erst seit ein paar Jahrzehnten tritt sie wieder verstärkt auf und erreicht heute geradezu epidemische Ausmaße – deswegen ist es nicht unwahrscheinlich, dass noch weitere Faktoren eine Rolle spielen.
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Immer mehr deutet darauf hin, dass der stark angestiegene Konsum von Fruchtzucker (Fructose) in Form von zugesetztem Zucker in Soft Drinks, Süßigkeiten oder stark fruktosehaltigem Fructose-Sirup (HFCS) den Harnsäuremetabolismus anfeuert. Fruchtzucker erhöht den Harnsäurespiegel im Blut, und hoher Zuckerkonsum kann langfristig auch noch zu Übergewicht führen – gleich zwei Faktoren, die sich bei Gicht zusätzlich äußerst ungünstig auswirken.

Grundsätzliche Tipps um Gicht-Attacken vorzubeugen

Es gibt aber auch einige Lebensmittel, die sich günstig auf die Gicht auswirken, hierzu zählt z. B. Kaffee (auch koffeinfrei). Eine größere Wirkung darf man allerdings erst ab vier Tassen pro Tag erwarten. Milchprodukte haben einen positiven Effekt, da sie einen leicht entzündungshemmenden Effekt haben und die Symptome abschwächen. Bei Übergewicht stellen fettreduzierte Milchprodukte die beste Alternative dar. Auch Vitamin C wirkt sich positiv aus: Eine hohe Vitamin-C-Zufuhr steht in Zusammenhang mit einem deutlich niedrigeren Risiko von Gichtattacken.

Man kann gar nicht genug betonen, wie wichtig es ist, jeden Tag ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Man sollte genug trinken, um täglich etwa 2,5 Liter Urin zu produzieren, da dies die Harnsäureausscheidung unterstützt. Meiden Sie Alkohol (im Zweifelsfall ist Wein besser als Bier) und nehmen Sie möglichst nur moderate Mengen an tierischem Protein zu sich. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist die beste Prophylaxe gegen Gichtanfälle!

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Mehr zu diesem Thema erfahren Sie auch in unserem Blog.


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