Erdbeeren bei Histamin­intoleranz: Verträglich oder nicht?

Erdbeeren sind eine der beliebtesten Obstsorten. In Deutschland beginnt die Erdbeer­saison im Mai und endet in der Regel Ende Juli oder Anfang August. Dann findet man sie überall, als frisches Obst, in Form von Eis, Kuchen, Smoothies oder Marmelade.

Doch nicht jeder kann die Früchte bedenkenlos essen. Erdbeeren stehen auf nahezu jeder Verbotsliste für Histamin­intoleranz – sie finden sich sogar in unserem App-Symbol wieder. Dabei sind sie kein histamin­reiches Lebens­mittel im klassischen Sinne wie Rotwein oder gereifter Käse – sie enthalten ganz im Gegenteil kein Histamin! Trotzdem berichten auffallend viele Menschen über Beschwerden, die oft schon wenige Minuten nach ihrem Verzehr auftreten.

Dieser Artikel erklärt, was hinter den Reaktionen steckt und was man beachten sollte.

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Wie gesund sind Erdbeeren? Viele wertvolle Inhaltsstoffe stecken in der roten Frucht


Bevor wir darauf eingehen, warum Erdbeeren häufig nicht vertragen werden, wollen wir zunächst ansehen, warum sie so gesund sind. In Erdbeeren wurden rund 40 verschiedene phenolische Verbindungen identifiziert, darunter Kaempferol, Quercetin­glycoside, Cyanidin, Pelargonidin, Ellagsäure und Ellagi­tannine. Das einzigartige Zusammen­spiel dieser sog. sekundären Pflanzen­stoffe gilt als Grundlage der antioxidativen und entzündungs­hemmenden Eigenschaften der Frucht – und in Human­interventions­studien wurden Erdbeeren mit günstigen Effekten auf Entzündungs­marker, Herz-Kreislauf-Gesundheit sowie kognitive Funktion in Verbindung gebracht.

Besonders interessant ist Pelargonidin, das rote Haupt­anthocyan der Erdbeere, das eine stark entzündungs­hemmende Wirkung aufweist.


Welche Symptome können nach dem Verzehr von Erdbeeren auftreten?


Trotz der gesunden Inhalts­stoffe stehen Erdbeeren häufig im Verdacht, Unverträglich­keiten auszulösen. Die Symptome, die nach dem Verzehr von Erdbeeren auftreten können, sind sehr variabel. Häufige Beschwerden sind:

  • Kribbeln oder Brennen auf den Lippen und im Mund
  • Hautausschlag, Nessel­sucht oder Rötungen
  • Kopfschmerzen oder Migräne
  • Verdauungsprobleme wie Bauch­krämpfe oder Blähungen
  • Verstopfte oder laufende Nase
  • In seltenen Fällen: Herzrasen oder allgemeines Unwohlsein

Warum lösen Erdbeeren bei Histaminintoleranz Beschwerden aus?


Eine Histaminintoleranz ist in erster Linie gekennzeichnet durch eine Reaktion auf stark histamin­haltige Lebens­mittel. Erdbeeren enthalten allerdings kein Histamin.

Erdbeeren gelten als Histaminliberatoren. Das bedeutet: Sie können körper­eigene Immun­zellen (z.B. Mastzellen) dazu bringen in ihnen gespeichertes Histamin freizusetzen, ohne dass dabei, wie bei echten Allergien, IgE-Antikörper beteiligt sind. Es handelt sich in der überwiegenden Zahl der Fälle also nicht um Allergien, sondern um nicht-allergische Mechanismen – man spricht auch von einer “Pseudoallergie”.

Allerdings ist der zugrunde­liegende Mechanismus wissenschaftlich bis heute nicht eindeutig belegt. Aktuell wird vermutet, dass die Beschwerden nach dem Erdbeer­konsum durch bestimmte Stoffe in der Frucht – im Verdacht stehen zum Beispiel histamin­ähnliche biogene Amine, Salicylate oder andere Stoffe – hervorgerufen werden.

Diskutiert wird auch über eine individuell erhöhte Reizempfindlichkeit, die dann, möglicherweise im Zusammen­spiel mit einer reduzierten Fähigkeit aufgenommenes oder ausgeschüttetes Histamin im Körper abzubauen, dazu führt, dass es zu einer Unverträglichkeits­reaktion kommt.

Hinweis zur Studienlage: Die genauen molekularen Wirk­mechanismen zur histamin­freisetzenden Wirkung von Erdbeeren sind wissen­schaftlich nicht vollständig geklärt. Viele Erkenntnisse stammen haupt­sächlich aus Beobachtungen im klinischen Alltag und Beobachtungs­studien, weniger aus kontrollierten Interventions­studien. Erdbeeren werden trotz dieses Umstandes konsistent als Histamin­liberator eingestuft.


Muss ich Erdbeeren bei Histaminintoleranz komplett meiden?


Histaminunverträglichkeit ist sehr individuell, gerade bei allem was die Liberatoren betrifft. Für viele Betroffene gilt das Prinzip der Toleranz­schwelle: Kleine Mengen werden womöglich vertragen, größere Mengen überschreiten das persönliche Limit.

Ein paar praktische Überlegungen, falls du Erdbeeren vorsichtig testen möchtest:

Weniger ist mehr. Statt einer ganzen Schüssel vielleicht zwei bis drei Erdbeeren probieren und beobachten, wie der Körper reagiert. Treten Reaktionen schon bei sehr wenigen Früchten auf, sollte man sie besser meiden.

Kombinationen vermeiden. An einem Tag mit Erdbeeren besser auf andere Histamin­liberatoren verzichten: kein Rotwein, keine Tomaten, keine Zitrusfrüchte, kein gereifter Käse.


Welche Früchte sind bei Histaminintoleranz besser verträglich?


Falls Erdbeeren dir wirklich nicht bekommen: Es gibt Sommerfrüchte, die von vielen Menschen mit Histamin­unverträglichkeit besser vertragen werden, darunter Blaubeeren oder Brombeeren (in moderaten Mengen). Mit Hilfe unserer App kann man schnell geeignete Obst­sorten finden und bei Bedarf auch auf ihre Verträglichkeit bei anderen Unverträglichkeiten (z.B. Fructose­unverträglichkeit) überprüfen.


Fazit: Vorsicht mit Erdbeeren bei Histaminintoleranz


Erdbeeren sind für viele Menschen mit Histamin­unverträglichkeit ein problematisches Lebens­mittel. Warum das so ist, ist bis heute noch nicht abschließend verstanden. Entscheidend sind die Menge und auch die Kombination mit anderen möglicher­weise histamin­haltigen Mahlzeiten. Falls nach dem Verzehr von Erdbeeren Histamin im Körper freigesetzt wird, könnte der Histamin­stoffwechsel durch zusätzliches Histamin aus anderen Lebens­mitteln überwältigt werden.


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In unserer App Histamin, Fructose & Co. finden Sie wertvolle Hilfe­stellung zum Thema Ernährung bei Lebens­mittel­unverträg­lich­keiten. Erhältlich für iOS und Android.

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Quellen:
F. Giampieri et al., The strawberry: Composition, nutritional quality, and impact on human health – Nutrition 28:1 (2012), 9–19
S. M. Hannum, Potential impact of strawberries on human health – Critical Reviews in Food Science and Nutrition 44:1 (2004), 1–17
S. Afrin et al., Promising Health Benefits of the Strawberry: A Focus on Clinical Studies – Journal of Agricultural and Food Chemistry 64:22 (2016),4435–4449
M. Kent, Food and Fitness: A Dictionary of Diet and Exercise, Oxford University Press Ausgabe 2, 2016
N. Eriksson et al., Self-Reported Food Hypersensitivity in Sweden, Denmark, Estonia, Lithuania, and Russia, J Invest Allergol Clin Immunol 14:1 (2004), 70–79
B. Wüthrich, The Atopy Syndrome in the Third Millenium, Curr Probl Dermatol vol 28 (1999), 64–73, Basel, Karger

Bild:
Foto von Angèle Kamp auf Unsplash



Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder ernährungs­therapeutische Beratung.