Ist Fisch bei Gicht besser geeignet als Fleisch?

Gicht ist eine schmerz­hafte Form der Arthritis, die durch erhöhte Harn­säure­werte im Blut verur­sacht wird. Die Ernährung stellt einen wichtigen Faktor bei der Therapie der Erkrankung und der Vorbeugung von Gicht­anfällen. Ein Baustein der Ernährungs­therapie ist es die Purin­zufuhr zu reduzieren, indem man weniger Fleisch oder Wurst isst. Doch wie steht es mit Fisch? Ist dieser bei Gicht eine gesündere Alternative? In diesem Artikel gehen wir näher auf die Hinter­gründe ein und geben praktische Empfehlungen.

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Was ist Gicht und welche Rolle spielt die Ernährung?


Gicht entsteht, wenn sich Harn­säure­kristalle in den Gelenken ablagern und Entzündungen verursachen. Die Ursachen, die dazu führen, dass sich Harn­säure im Körper ablagern können sind sehr komplex – es spielen z.B. häufig genetische Ursachen eine Rolle, auf die man keinen Einfluss hat.

Harnsäure entsteht haupt­sächlich beim Abbau von Purinen, die natürlicher­weise im Körper vorkommen. Purine können aber auch von außen über die Nahrung zugeführt werden.

Auch wenn die von außen zugeführten Purine nicht die Haupt­rolle spielen, ist es möglich, den Harn­säure­spiegel im Blut durch eine purin­arme Ernährung deutlich abzusenken. Zu den purin­reichsten Lebens­mitteln zählen insbesondere rotes Fleisch und Innereien – aber auch Fisch, Krusten­tiere oder auch Meeres­früchte. Deswegen ist es aus diesem Gesichts­punkt erstmal nicht sinnvoll, Fleisch einfach 1:1 durch Fisch zu ersetzen. Gicht­anfälle können auch durch Fisch oder Meeres­früchte ausgelöst werden. Dennoch lohnt sich ein genaueres Hinsehen, denn Fisch und andere Meeres­tiere haben viele ernährungs­physiologisch interessante Eigen­schaften.


Omega-3-Fettsäuren: Ein Vorteil von Fisch


Ein wichtiger Unter­schied zwischen Fisch und Fleisch liegt im Gehalt an Omega-3-Fettsäuren. Fisch, insbesondere fett­reiche Sorten, enthält viele dieser gesunden Fett­säuren, die entzündungs­hemmende Eigen­schaften haben. Die Entzündungen in den Gelenken bei Gicht werden allerdings durch mechanische Reizungen durch auskristallisierte Harn­säure verursacht, gegen die auch eine erhöhte Aufnahme von Omega-3 wenig auszu­richten vermag.

Deswegen ist bei Gicht Vorsicht geboten: Während Omega-3-Fettsäuren generell gesundheits­fördernd sind, enthalten gerade die omega-3-reichen Fische wie Hering und Makrele besonders viele Purine. Daher ist der Nutzen bei Gicht eher einge­schränkt.


Puringehalt: Fisch vs. Fleisch


Eine völlig purinfreie Ernährung ist nicht möglich – und auch gar nicht notwendig. Fast alle Lebens­mittel enthalten eine gewisse Menge an Purinen. Aber man kann die aufgenommene Purine­menge durch gezielte Ernährungs­umstellung reduzieren und damit den Körper entlasten. Wichtig ist: Sowohl Fisch als auch Fleisch enthalten Purine, allerdings in unter­schiedlichen Mengen. Folgende Übersicht dient als Orientierungs­hilfe:

Fleisch
  • Innereien (Leber, Nieren) enthalten besonders viele Purine und sind nicht empfehlens­wert
  • Rotes Fleisch (Rind, Schwein, Lamm) hat einen hohen Purin­gehalt und sollte bei Gicht gemieden werden
  • Geflügel (Huhn, Pute) hat einen moderaten Purin­gehalt und kann in Maßen konsumiert werden
Fisch und Meeresfrüchte
  • Fettreiche Fische (Hering, Makrele, Sardinen, Sardellen) haben einen sehr hohen Purin­gehalt und sollten vermieden werden
  • Schalentiere (Garnelen, Krabben, Muscheln) enthalten ebenfalls viele Purine
  • Magere Fische (Kabeljau, Scholle, Zander) haben einen moderaten Purin­gehalt und sind in kleinen Mengen akzeptabel

Fazit: Soll ich jetzt lieber Fisch oder Fleisch essen?


Fisch ist neben Omega-3-Fettsäuren auch eine gute Quelle für hoch­wertiges Protein und dem essentiellen Spuren­element Iod. Wegen dieser positiven Eigen­schaften kann es trotz einer Gicht­erkrankung sinnvoll sein, gelegentlich Fisch oder ausgewählte Meeres­früchte zu verzehren.

Diese Empfehlung gilt unter gewissen Einschränkungen: Idealer­weise ersetzen Sie eine Mahl­zeit mit fettem, rotem Fleisch durch eine Mahl­zeit mit etwas magerem Fisch, ergänzt durch viel Gemüse. Dabei kommt es auch auf die Zubereitungsart an: fett­triefender panierter Fisch ist aus gesund­heitlicher Sicht deutlich weniger empfehlens­wert als schonend zubereiteter, gedämpfter Fisch. Achten Sie immer darauf, unterhalb der maximal empfohlenen Tages­menge an Harn­säure zu bleiben.

Mit Hilfe unserer App OxiPur können Sie gezielt den Purin­gehalt von Fleisch- und Fischsorten über­prüfen und so sicher­stellen, dass Sie einen guten Kompromiss aus Eiweiß­gehalt und Purin­gehalt finden. Einige besonders purin­reiche Fisch­sorten und insbesondere Innereien, wie z.B. Fisch­leber, sind besonders kritisch und sollten auf jeden Fall gemieden werden.

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Abbildung 1: Die App OxiPur hilft bei der Beurteilung eines Fischgerichtes.

Weitere praktische Empfehlungen
  • Gleichzeitig mit der reduzierten Purin­aufnahme ist auch eine breite Ernährungs­umstellung empfehlens­wert, bei der man insbesondere Obst und Gemüse in den Speise­plan einbaut. Es gibt viele Lebens­mittel, die sich günstig auf das Krankheits­bild auswirken, indem sie dabei helfen überschüssige Harn­säure auszuscheiden, das Auskristallisieren von Harn­säure zu verhindern oder andere gesund­heitsförderliche Eigen­schaften haben.
  • Man sollte immer daran denken, dass für die effektive Therapie einer Gicht nicht nur der Purin­gehalt kontrolliert werden muss. In der App OxiPur findet man deswegen auch viele weitere Angaben, beispiels­weise zum Salz­gehalt, Alkohol oder auch Frucht­zucker – die ebenfalls zu den Faktoren gezählt werden müssen, die sich negativ auf den Harnsäure­spiegel im Blut auswirken können.
  • Eine Ernährungs­umstellung kann gerade am Anfang schwierig sein, da sich viele mittler­weile überholte Empfehlungen hartnäckig halten. Aber mit der Unterstützung unserer App OxiPur kann man viele Anfangs­hürden meistern und den Grund­stein zu einer nach­haltigen Verbesserung des Gesund­heits­zustandes legen.



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Quellen:
T.-K. Yao et al., Advances in Gouty Arthritis Management: Integration of Established Therapies, Emerging Treatments, and Lifestyle Interventions, Int. J. Mol. Sci. 25:10853 (2024)
X. Qu et al., Determination of four different purines and their content change in seafood by high-performance liquid chromatography, Journal of the science of food and agriculture 97:2 (2017), 520–525
B. Jakše et al., Uric Acid and Plant-Based Nutrition, Nutrients 11:1736 (2019)
Z. Ren et al., The consumption of fish cooked by different methods was related to the risk of hyperuricemia in Japanese adults: A 3-year follow-up study, Nutr Metab Cardiovasc Dis 26:9 (2016), 778–785


Foto von David Foodphototasty auf Unsplash