Können Tomaten Gicht-Anfälle auslösen?

Viele Betroffene nennen Tomaten als einen möglichen Auslöser für ihre Gicht­anfälle – obwohl diese eigentlich einen sehr geringen Purin­gehalt haben. Sollte man das Gemüse bei Gicht deswegen besser meiden?

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Wie identifiziert man Lebens­mittel, die Gicht­anfälle auslösen?


Einige Lebens­mittel können bei Gicht­kranken schmerz­hafte Gicht­attacken triggern. Ein klassisches Beispiel ist das Bier, das einerseits einen hohen Purin­gehalt hat, anderer­seits aber auch die Aus­scheidung von Harn­säure hemmt – eine ungünstige Kombination. Die genauen Umstände, die dazu führen, dass ein Lebens­mittel einen Anfall auslöst, sind tatsächlich immer noch nicht genau verstanden. Vermutet wird, dass einige Lebens­mittel nach dem Verzehr den Harn­säure­spiegel im Blut ansteigen lassen, aber als alleinige Erklärung für heftige Schübe genügt dies nicht. Trotzdem wird in Ernährungs­studien gerne nach diesem Faktor gesucht, da der Harn­säure­spiegel im Blut leicht gemessen werden kann.


Tomaten werden häufig als Trigger genannt


Tomaten werden bei Befragungen von Betroffenen immer wieder als Trigger­faktoren für Gicht­attacken genannt. Ob an dieser Beobachtung tatsächlich etwas dran ist, oder ob es sich dabei möglicher­weise nur um eine Schein­kausalität handelt, ist übrigens gar nicht so einfach herauszu­finden, denn Tomaten und ihre Produkte werden schließlich extrem häufig gegessen.

Es gibt einige (meist kleine) Studien, die untersuchen, wie sich der Verzehr von verschiedenen Lebens­mitteln auf den Harn­säure­spiegel auswirkt. Einige zeigten hier einen harn­säure­steigernden Effekt von Tomaten, andere wiederum zeigten keine solche Wirkung.

Eine Meta-Studie von Major et al. (2018) hat alle Studien zum Thema ausge­wertet und noch mit verschiedenen Ernährungs­strategien abgeglichen, um Stör­einflüsse anderer Lebens­mittel besser heraus­filtern zu können.


Keine Wirkung nachweisbar


Während die harn­säure­steigernde Wirkung bei alkoholischen Getränken und Fleisch in den ausge­werteten Studien sehr eindeutig belegen ließ, waren die Ergebnisse für Tomaten wider­sprüchlich und nicht statistisch signifikant. Angesichts der vorhandenen Daten­lage kann man deswegen nicht ableiten, dass ein Verbot von Tomaten oder Tomaten­produkten im Rahmen einer gesunden Ernährung bei Gicht angebracht wäre.

Statt sich auf medizinisch nicht belegte Empfehlungen zu verlassen und möglicher­weise völlig unnötig auf Tomaten zu verzichten, sollte man lieber auf bewährte Strategien setzen und sich nicht verzetteln. Bei Gicht ist langes Durch­halte­vermögen gefragt, schnelle Abkürzungen gibt es leider nicht.


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Quellen:
T. Major et al., Evaluation of the diet wide contribution to serum urate levels – meta-analysis of population based cohorts, BMJ (Clinical research ed.) 363, k3951 (2018)
T. Flynn et al., Positive association of tomato consumption with serum urate: support for tomato consumption as an anecdotal trigger of gout flares, BMC Muscoskeletal Disorders 16:196 (2015), 1–8
B. Jakše et al., Uric Acid and Plant-Based Nutrition, Nutrients 11, 1736 (2019), 1–15


Photo by Clay Banks on Unsplash