Spargel und Gicht: Was ist der aktuelle Kenntnis­stand?

Jedes Jahr ab Mitte April beginnt sie wieder: die Spargel­zeit. Dann findet man die leckeren grünen und weißen Stangen aus deutscher Ernte überall. Viele können den Beginn kaum erwarten und freuen sich auf Spargel in zahl­losen Variationen. Allerdings gilt Spargel auch als purin­reiches Gemüse und viele Menschen mit Gicht meiden ihn deswegen. Ist diese Einschränkung wirklich nötig?

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Welche Inhalts­stoffe machen Spargel so wertvoll?


Was viele nicht wissen: Grüner und weißer Spargel stammen eigentlich von der gleichen Pflanze. Wird der Spargel geerntet, solange der Trieb noch unter der Erde ist, bleibt er weiß. Sobald der Trieb mit Sonnen­licht in Kontakt kommt, verfärbt er sich grün. Der Anbau von weißem Spargel ist sehr aufwändig, deswegen wird in vielen Ländern der Erde haupt­sächlich grüner Spargel gegessen.

Beide Varianten des Spargels sind sehr gesund, da sie sehr ballast­stoffreich sind und viele Vitamine und Mineral­stoffe enthalten – hier sind besonders die Fol­säure, B-Vitamine, Vitamin C und Kalium hervorzu­heben. Der grüne Spargel enthält eine höhere Konzentration an gesund­heits­förderlichen Flavonoiden, da er sich – ohne Schutz des Bodens – vor vielen Umwelt­einflüssen schützen muss. Diese sekundären Pflanzen­stoffe haben starke anti­oxidative und entzündungs­hemmende Eigenschaften.

Spargel hat auch einen niedrigen glykämischen Index und einen für Gemüse vergleichs­weise hohen Eiweiß­gehalt. Der Purin­gehalt ist im Vergleich zu anderen Gemüse­sorten aber tatsächlich sehr hoch, vor allem wenn man berücksichtigt, dass man ihn hierzulande in relativ großen Portionen verzehrt.


Wieviel Purine enthält eine klassische Spargel­mahlzeit?


Spargel ist ein sehr viel­seitiges Gemüse und lässt sich wunderbar für die unter­schiedlichsten Gerichte verwenden. Ein klassisches Spargel­menü besteht aus folgenden Zutaten:
  • 350 g weißer Spargel
  • 160 g Kartoffeln (gekocht)
  • 50 g Butter oder Sauce Hollandaise
  • 5 g Schnittlauch
  • Salz
Dazu wird häufig Koch­schinken (in dünnen Scheiben) gegessen, aber bei der Wahl der Beilage sind eigentlich keine Grenzen gesetzt: Er wird auch häufig als Beilage zu Fisch- oder Fleisch­gerichten gegessen.


Wie kann ich den Puringehalt einer Mahlzeit überprüfen?

Den Puringehalt kann man ganz einfach mit dem Purin­rechner in der App OxiPur heraus­finden. Doch die App kann noch wesentlich mehr: man kann sich nicht nur einen Über­blick über die Purin­menge (ausgedrückt als Harnsäure­äquivalente) verschaffen, sondern erhält auch gleichzeitig einen Über­blick über alle anderen Inhalts­stoffe des Spargel­menüs. Für unser Menü von oben sieht das dann so aus:

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Abbildung 1: Purin­gehalt eines klassischen Spargel­menüs [Quelle: OxiPur].

Mit der beschriebenen Mahl­zeit nimmt man über 60 % der maximal empfohlenen Tages­menge von 500 mg Harn­säure zu sich und liegt auch deutlich über der Menge, die man mit einer Portion auf­nehmen sollte. Wenn man sich nur diese Werte ansieht, ist es nur zu verständlich, warum so häufig vom Spargel­verzehr bei Gicht abgeraten wird.


Ernährung bei Gicht: Warum tierische und pflanzliche Purine nicht vergleichbar sind


Mittlerweile zeigen viele Studien, dass die Purine im Spargel, ebenso wie in anderen purinreichen Gemüse­sorten auch, in der Wirkung nicht mit der Wirkung von tierischen Purinen vergleichbar sind. Es konnte gezeigt werden, dass im Spargel Stoffe enthalten sind, die regulierend auf den Purin­stoff­wechsel wirken und die Ausscheidung von Harn­säure über den Urin erhöhen. Doch erst jetzt wird langsam der zugrunde liegende Wirk­mechanismus besser verstanden.

Der Verzehr von grünem und weißem Spargel steigert den Harnsäure­spiegel im Blut deswegen nur wenig und erhöht auch nicht das Risiko für Gicht. Noch vor zehn Jahren lautete die Empfehlung auf Spargel zu verzichten. Heute weiß man aber, dass es nicht nur auf den absoluten Purin­gehalt einer Mahl­zeit ankommt, sondern auch auf die Art der Purine und auf viele weitere Faktoren, die die Harn­säure­ausscheidung begünstigen oder hemmen können.


Muss Spargel bei Gicht auf die Verbots­liste?


Wenn Sie von Gicht betroffen sind, müssen Sie nicht komplett auf den Verzehr von Spargel verzichten. Man kann ihn sich ruhig ab und zu gönnen, aber vielleicht besser nicht so, wie auf unserem Artikel­foto, sondern bewusst als vegetarische Mahl­zeit. Wenn der Spargel als Beilage zu einem Fleisch- oder Fisch­gericht gegessen wird, sieht die Betrachtung nämlich ganz anders aus: Mit Fisch kombiniert, werden Sie auf jeden Fall eine kritische Menge an Harn­säure zu sich zu nehmen! Dafür sorgt dann allerdings eher der Fisch als der Spargel.

[Update 12.02.2026]: Wir haben den Artikel überarbeitet.


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Quellen:
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Bild:
Photo by Stefan Schauberger on Unsplash